Indien 6

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24.10  Kamelmarkt in Pushkar.

Vorhin saß ich gemütlich, beim Mittagessen und sprach ein Pärchen, auf eine Tüte mit Lotus Seeds an, welche sie in der Hand hielten. So war ich neugierig und wollte wissen, wie diese, denn schmecken würden. Die Dame aus Südafrika, erzählte mir daraufhin, recht begeistert, von jenem Gaumenschmaus. Das sollte ich doch unbedingt, bei der nächsten Gelegenheit, mal frisch vom Markt probieren. Diese in der Tüte verpackten Seeds, waren ein Geschenk, sonst hätte ich gerne mal probieren können.

Wir kamen nett ins Gespräch und so erzählten sie mir, von dem spektakulären Ereignis, welches doch morgen in Pushkar stattfindet. Es wäre doch Asiens größter Kamelmarkt. „Hast du davon nichts gehört“?, fragte sie. „Klar“, war meine Antwort, aber ich habe überhaupt keine Lust mehr, auf versammelte Menschenmassen und deshalb, fliege ich morgen auch nicht nach Goa, sondern nach Kochi. Daraufhin blickten sie mich ein wenig entgeistert an. An dieser Stelle, betonte ich nochmal meinen Standpunkt, des spontanen, ungezwungen Reisens und das fanden sie beide toll.

„Good luck in Kochi“, sagten sie.

Vor dem Mittagessen, schlenderte ich ein wenig, außerhalb der Häuser herum und überquerte auch einige Felder. Dort sah ich leider auch, überall Plastikmüll herum liegen. Ja das Essen, schmeckt in Indien wirklich gut und ist auch sehr facettenreich, aber ist es auch gesund? Pflanzen, Obst und Gemüse wachsen zusammen mit Plastikflaschen auf. Schweine und Hühner stehen im Müll und fressen in diesem.

So bleibt bei mir einfach, bei jedem Essen, ein fader Beigeschmack.

 

Chaos. Das totale Chaos.

Ich könnt völlig durchdrehen. Dabei war ich vorhin, noch so friedlich gestimmt, mit voller Vorfreude, auf den morgigen Tag. Aber was nach dem Abendessen, noch folgen sollte, war einfach nur krank. Ok, ich versuche es mit weniger Schimpfwörtern zu schildern, wie aber eigentlich nötig wären, um diesen folgenden Mist, zu beschreiben.

Im Moment, sitze ich im Bus von Ajmer nach Jaipur. Es ist 23.21 Uhr. Eigentlich,  wollte ich zu dieser Uhrzeit,  im Bett liegen. Eigentlich, wollte ich morgen früh, ganz entspannt gegen 8 Uhr aufstehen und um 9 Uhr wäre dann, der Taxi vor das Hotel gefahren und würde mich zum Busterminal nach Ajmer bringen.

Aber ich sitze in diesem wiederlichen Bus.

Der Busfahrer fährt, als würde, mindestens 1 Flasche Wodka, durch seine Adern fließen. Wenn ein Busfahrer in Deutschland, so fahren würde, ich würde zu ihm vorgehen und ihm eine schiessen. Der Bus ist gerammelt voll, aber er hält es für nötig, ein auf Rennfahrer zu machen. So fährt er, dermaßen rücksichtslos und asozial, als müsst er sich mit dieser Fahrt, für die Rallye Dakar für Ideoten, bewerben. Dazu betätigt er ununterbrochen, seine bekloppte Hupe. Wieder überhaupt kein Vergleich zu China. Alles wird in Indien, im Negativen getoppt. Ich brauche jetzt, auch überhaupt nicht versuchen, diese ganze Scheißaktion, mit süßer Gänseblümchensprache auszuschmücken. Ich habe die ganze Zeit über, ungefärbt und zu hundert Prozent authentisch berichtet, also nehme ich jetzt, auch kein Blatt vor den Mund. Andernfalls, würde ich mich nur selbst verarschen. Also wer keine Lust hat, sich jetzt, von meinem negativen Senf, anstecken zu lassen, der möchte doch bitte nicht weiter lesen.  ….

Jetzt ist es 0.40 Uhr und ich sitze, vor der Eingangstür, zum Depature Terminal. Die Türen sind noch geschlossen. Draußen, wie drinnen, sitzen Leute vom Militär. Gegen 2 Uhr, werden voraussichtlich, die Schleusen geöffnet. Warum? Keine Antwort. Fuck you.

Aber ich bin erstmal heilfroh, hierzu sein.

Ich versuche, jetzt von vorne, die eben erlebten Geschehnisse zu beschreiben, aber ich weiß noch nicht, ob ich das alles, noch zusammen bekomme.

Es fällt mir gerade schwer, überhaupt etwas zu schreiben. Ich glaube, wenn jetzt eine Maschine von airberlin, startklar, vor der Türe stehen würde, ich würde einsteigen.

Diese Scheiße bisher, in Indien, hätte ich mir echt sparen können. Es macht im Moment, überhaupt keinen Spaß. Wieder musste ich,  viele Angstmomente durchleben, wie zuvor, in Jahrzehnten nicht.

Pause.

Ok, ich versuchs…

Gegen 20 Uhr, nach dem Abendessen, kam ich, ein Lied pfeifend, die dunkle Gasse entlang geschlendert und freute mich, auf einen entspannten Abend.

Am Hotel angekommen, sprach der Hotelboss mich an und meinte, dass der Knecht, vom Reisebüro dagewesen wäre, er hätte mir was wichtiges mitzuteilen. So rief er ihn an, da ich ja jetzt im Hotel bin. Nach etwa 10 min erschien er, völlig aufgeregt und meinte, dass einer, meiner beiden Flüge, gecancelt worden wäre. „Waaaas? Soll das jetzt nen schlechter Witz sein? Ich hab doch gestern erst gebucht! “ So drückte er mir, sein Handy ins Gesicht und ich sollte doch bitte selbst, mit der Airline sprechen. So hatte ich den anderen Kasper an der Schnur, aber verstand fast nix. Er sprach, so ein mieses englisch. So gab ich dem Reisebüro Typen, dass Handy zurück und meinte, dass er doch, mit ihm reden soll, da ich nichts verstehe. Nach dem Telefonat, erzählte er mir, dass der erste Flug nach Bangladore, gecancelt worden ist. „Aber ich habe doch gestern erst gebucht“!!! „Are you cheatting me?“ „No“, sagte er. Ich war auf 180. „Ok, wir können das jetzt versuchen in meinem Büro zu klären“, sagte er. So saß ich, als Beifahrer, auf seinem rostigen Motorrad und wir fuhren, durch dunkle Gassen, zu seinem Büro. Dort angekommen, hatte ich bestimmt 7 verschiedene, mit Krampf zu verstehende, Knechte, von irgendwelchen Kundendiensten am Ohr. Es war sowas von nervig und anstrengend, ihm, meinen extremen Ärger darüber, in englisch, mitzuteilen. So schlug ich bestimmt, nicht nur einmal, mit der Faust, auf sein dämlich, verlogenen Schreibtisch. My friend, my friend, my friend, my friend. .. ich weiß schon garnicht mehr, wie oft er diese Scheiße zu mir sagte. „You can trust me, its not my fault“. Augen lügen nicht, sagte ich, schaute ihn dabei böse an und sagte: „No i dont trust you.“ Abermals, verneinte er, dass er mich verarschen würde und meinte, das er mir doch bloß helfen will, damit ich morgen nicht umsonst, nach Jaipur fahre. Es sind 2 unterschiedliche Fluggesellschaften. Und deshalb war alles noch viel komplizierter. „Waaaas habe ich denn für Optionen?“ Ich könne nur den kompletten Flug canceln und hätte die Option, morgen früh um 6 Uhr, den Flug von Jaipur nach Hyderabad zu nehmen und von dort dann, den Flug nach Kochi. Knapp 60 Euro extra, würde mich die Jauche kosten.

Ich war machtlos und so gab ich auf. Ich sah ein, dass ich keine andere Wahl hatte.

Ich will hier nur noch weg, aus diesem verfluchten Ort. So fuhr er mich zum Hotel zurück und wollte 30 min später, mit dem Flugdaten Zettel zurück sein. Ich schilderte diese Nachricht dem Hotelboss und musste ihn, 10 minuten lang, flehend überzeugen, dass er mir die Kohle, für die schon bezahlte Nacht, zurück gibt.

Wieder war das, mehr als problematisch. Er meinte nur, dass es nicht sein Problem sei. Ufff, bleib ruhig, Johannes. Ich musste tief, einatmen. Mit mahnenden Worten, dass ich dann im Internet, sehr schlecht über sein Hotel, auf booking.com, berichten würde, überzeugte ich ihn letztendlich, mir zumindest 90 Prozent der Kohle wiederzugeben. Nun musste ich noch die Angelegenheit, mit dem schon bezahlten Taxi klären. Auch das bekam ich glücklicherweise, aber mit Krampf hin. Die Jungs sind einfach mal, solche Abzockschweine. Selbst in so einem Fall. Unfassbar.

Nun sprintete ich, auf mein Zimmer und packte unter Hochdruck meinen Rucksack. Gleich würde der Taxi kommen und mich zum Busterminal nach Ajmer bringen. Der letzte Bus, sollte um 22 Uhr, von dort abfahren. Es war 21.20 Uhr, als der Reisebüromensch, mit dem Zettel und einem schiefen Grinsen, aus dem Taxi stieg. Ich bezahlte, aber sagte ihm nochmal direkt, in sein falsches Gesicht, dass er mich doch, mit dieser ganzen Scheiße, komplett verarscht hat. Fahr zur Hölle, dachte ich. Er glotze blöd, aber Er, hatte meine Kohle. Nun saß ich im Taxi. Am Steuer, saß ein sehr junger, aggressiver, unangenehmer Typ. 30 beschissene Minuten, fuhr er mich, durch die dreckige Nacht. Wieder bekam ich Angst. 6 Minuten vor 22 Uhr erreichten wir den Bus. Ich bezahlte und stieg ein. Der Bus war randvoll, kreischendes Babygeschrei, lautes permanentes Synchron –  Telefonieren. Das kann doch alles nicht wahr sein. Es war kurz nach 0 Uhr und wir erreichten, die Zielgerade, dieser hässlichen Stadt. Wieder, diese entsetzlichen Bilder. Überall, im Müll, auf und neben der Strasse, liegen schlafende Menschen. Ich atme tief durch und mein Problem wird immer kleiner.

Wir erreichten nur schleppend, zwischen quirligen Menschenmassen – wie zu besten vormittaglichen Zeiten – das schaurige Busgelände. Plötzlich, kamen von allen Seiten, Menschen angerannt, die die letzten 200 m, unseren Bus bekleideten. Schon wieder, bekam ich höllisch Angst. Ich schnappte, schnell mein Handy und schob es in den Schlüpfer. Der Bus hielt. Vor dem Ausgang des Busses, versammelte sich, eine riesige Menschentraube. Ich betete.

Unter dem Einsatz, meiner Ellenbogen, rannte ich auf ein parkendes Auto zu, klopfte an die Scheibe und tat so, als ob mich, der Besitzer des Autos erwarten würde. Gott sei Dank, stieg ein junger freundlicher Mann aus. Ich flehte ihn fast an, mir zu helfen. „I dont feel safe, can you help me, trying to find a Taxi?“ Er ging mit mir, zu einem abgeranzten, kleinen Häuschen mit Gitterfenstern. Dort sollte ich bezahlen und würde ein Zettel bekommen, mit welchem ich, ein sicheres Tuktuk bekäme. Ca.12 Menschen umlagerten uns. Einer von diesen, wurde mein Fahrer. Ohhhk, bin ich wirklich Safe, mit dieser Angelegenheit? „Ja“, meinte der Helfende und verabschiedete sich. Ich stieg ins Tuktuk. Die fürchterliche Fahrt, zum Flughafen, dauerte knapp 30 Angstminuten. Wir fuhren durch etliche, schäbige, dunkle Gassen. Total erschöpft, sitze ich nun am Flughafen und hoffe, dass der Zettel, mit den Flugdaten, echt ist!!!!!!!

...

Gerade in den Bus gestiegen

Gerade in den Bus gestiegen

Am Fluchthafen, nachts um 3 Uhr

Am Fluchthafen, nachts um 3 Uhr

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