Mongolei 2

23.9 Ohje,was war das wieder mal für ne Nacht. Als ich dann so endlich gegen 0.00 Uhr meine Ruhe fand, wurde ich plötzlich gegen 1 Uhr aus meinen Träumen gerissen. Schuld war ein Bagger, welcher in einem Vorgarten sein bestes tat, um ein Grundriss für ein neues Häuschen zu schaffen. Gegen 2 Uhr fand der Spaß zum Glück sein Ende. Und die Träumereien von den endlosen Weiten der Mongolei konnten fortgesetzt werden.

9.00 Uhr in der früh stiegen wir zu sechst – dem Fahrer, der Tourguidelady, einem Pärchen aus Holland, und einem Typen aus China- in den mindestens 35 Jahre alten Russen Van.

Unser doch hoffentlich treues Fahrzeuch

Unser doch hoffentlich treues Fahrzeuch

Die Höchstgeschwindigkeit dieses Fahrzeugs betrug rasante 60 kmh. Zudem schien es, als ob der gesamte Gestank des Auspuffs, direkt in den Wagen gepumpt werden würde. Die ersten 2h der Tour führten wir die gewöhnliche Prozedur der Gespräche des Kennenlernens durch. Mitunter auch sehr interessant. Tao, so heißt unsere Tourguidelady, erzählte, dass die mongolischen Menschen ausschließlich untereinander Beziehungen eingehen. Sie drückte sich wortwörtlich so aus: „Wir wollen das unser Blut mongolisch bleibt“. Das klang hart und so sagte ich, wenn wir Deutsche das sagen würden, hätten wir doch sofort den Stempel des Rassisten auf der Stirn. Dann stellte jemand die Frage und diese schwebte erstmal, wie eine graue Wolke im Russen Van  herum: “ Ist es rassistisch, seine eigene Kultur etc. auf diese strikte Art und Weise, bewahren zu wollen?“. .. Und irgendwie sah ich mich nun in der Pflicht, etwas dazu zu sagen, irgendwie, so schien es mir, warteten alle auf meine Antwort und so ergriff ich das Wort und sagte: “ Ja ich finde es auf einer gewissen Ebene rassistisch. Natürlich kann es auch nicht verkehrt sein, dass die verschiedensten Kulturen bewahrt werden, aber so rigoros auf diese Art und Weise, ist doch in der heutigen Zeit, viel zu einfältig. .. Und immer wieder, in all den Jahren meines Reisens, egal in welchem Land, werde ich als Deutscher mit Fragen zum Nationalismus und dem gesamten Umfang des 2 Weltkrieges konfrontiert. Und so fühle ich mich natürlich auch immer wieder in der Pflicht, der Welt zu zeigen, dass wir Deutsche, ein sehr global denkendes, weltoffenes Völkchen sind, welches keineswegs Rassistisch ist.

Alles andere als gemütlich, ist unsere, mit einem dünnen Polster überzogene Parkbank, auf welcher wir sitzen. Trotz alledem erreichten wir unser erstes Ziel. Die wirklich Riesenhafte Figur des Dschingis Khan.

Vom Pferdekopf aus, tolle Sicht

Vom Pferdekopf aus, tolle Sicht

Danach ging es weiter zu einem buddhistischen Tempel und wir wurden unterrichtet in deren Religion.

..Schuhe ausziehen bitte..

..Schuhe ausziehen bitte..

Das Highlight des Tages jedoch, war es, auf dem Buckel eines Pferdes zu sitzen.

Ja noch lach ich. .

Ja noch lach ich. .

Für mich, so eigentlich, das erste Mal. Das eigentlich erste Mal, zählt nicht, da war ich um die zarte 7 Jahre jung und saß, vielleicht für gerade mal 15min, auf dem Buckel eines Ponys. Diesmal jedoch, waren es ca. 3h durch die Prärie. Und es war echt toll, besonders durch diese unbefleckte Natur zu reiten.

wunderschön

wunderschön

Auch war es nicht bloß langsames traben, vielleicht die ersten 10 min. , aber danach- meine Güte, ging es mit ganz schön hohem Tempo voran. So musste ich feststellen, dass Reiten, garnicht so unsportlich ist. Jedenfalls tat mir mein Allerwertester nach der Tour, schon auch etwas weh und ich war auch nicht böse, wieder auf meinen eigenen 2 Beinen zu stehen. Wieder zurück an der Jurte, gab es das erhoffte warme Abendessen. Frisch geschlachtetes Schaf mit Kartoffeln. Danach kam ich zu dem wunderschönen Moment des herbeiersehnten Blickes in den einzigartigen Sternenhimmel. Was für ein schönes Ende des Tages.

Mittagspause

Mittagspause und während wir so da saßen, sahen wir ..

..ein Vater mit seinen Kindern Wasser holen am Bach

..ein Vater mit seinen Kindern am Bach Wasser holen

Dortige Landschaft ...ausnahmsweise mal Bäume

Dortige Landschaft …ausnahmsweise mal Bäume

Endlos schien sie, die Asphalt Straße. .aber schon bald ging es weiter...

Endlos schien sie, die Asphalt Straße. .aber schon bald ging es weiter…

..auch durch Gewässer

..auch durch Gewässer

Ja wo ging es nochmal lang?

Ja wo ging es nochmal lang?

Angekommen an der ersten Unterkunft in der Jurte

Angekommen an der ersten Unterkunft in der Jurte

Wow echt riesig. . Und von diesen Viehchern haben wir auf unserer Tour echt einige gesehen

Wow echt riesig. . Und von diesen Viehchern haben wir auf unserer Tour echt einige gesehen

Echtes Licht, echte Farben und natürlich auch echte Pferde

Echtes Licht, echte Farben und natürlich auch echte Pferde

Der Boss der Jurte

Der Boss der Jurte

Willkommenstee..mit Lothar Matthäus

Willkommenstee..mit Lothar Matthäus

 

24.9 Mir geht heute schon den ganzen Tag durch den Kopf, wie es der Herr Dschingis Khan bloß geschafft hat, so ein gewaltiges Imperium, aufzubauen.

Gigantisch

Gigantisch

Das ist kaum vorstellbar, bei den wenigen Menschen, welche so vereinzelt, auf so einer riesigen Fläche wohnen. Wie er es geschafft hat, so seine Armee, zu erst zusammenzutrommeln und dann noch zu einer Einheit zu bilden. Auf der heutigen Reise durch das oft sehr karge aber trotzdem faszinierende Land, ist mir oft aufgefallen, wie viel Müll hier leider überall, gerade an den Straßenrändern, herumkullert. Mich wundert das echt sehr, da die Menschen hier schon sehr mit der Natur verbunden scheinen. An einer Raststätte habe ich gesehen, dass man einfach Löcher in die Erde buddelt, um sich so, seinem Müll zu entledigen. Schlimm.

Lustig finde ich die vielen kleinen Hügel, welche mich oft an Zipfelmützen erinnern.

Gab noch schönere Zipfelmützen. .aber fotografieren aus der Wäschetrommel ist nicht einfach

Gab noch schönere Zipfelmützen. .aber fotografieren aus der Wäschetrommel ist nicht einfach

Zum Teil erinnert mich die Landschaft heute auch an die Südinsel Neuseelands. Heute hing es größtenteils Offroad voran und nicht selten kam ich mir dabei vor, wie ne kaputte Jeans in der Wäschetrommel. Umso schöner war es dann, als wir heute unser sehr schönes Tagesziel, umgeben von spitzen Bergketten und Sanddünen erreicht hatten.

In Echt war es noch heller

In Echt war es noch heller

Als wir bei der Familie ankamen, wurden wir herzlichst in Empfang genommen. Dazu gab es, eine Tasse Stutenmilchtee. Die Kinder sprangen uns um den Hals, als wären wir der Nikolaus persönlich.

Die Kinder bekommen zu bestimmten, festgelegten Zeiten, ihre Haare geschnitten

Die Kinder bekommen zu bestimmten, festgelegten Zeiten, ihre Haare geschnitten

Aber die Freude, war echt und das war ein tolles Gefühl. Zum Sonnenuntergang, hatten wir nun die Möglichkeit, auf ein Kamel zu springen und in Zwietracht zwischen den zwei Buckeln durch die Sanddünen zu maschieren.

Kamele:)

Kamele:)

So trabten wir zu einem wunderschönen „Aussichtspunkt“. Und da war er wieder, der besondere Moment. Genauso hatte ich mir die Mongolei vorgestellt. Endlose Weiten, keine Autos, keine Menschen, Stille.

Stille

Stille

Ein Glück ist die Hauptsaison vorüber. Die Sonne verschwand und so wurde es echt schweinekalt. Und so freuten wir uns, auf das frisch geschlachtete Schaf im Kessel.

Kessel Schaf

Kessel Schaf

Menschenskinder

Menschenskinder

Zack...da sprang die Tür auf wie einst die Helden vom A Team. . Aber raus kamen bloß tote Viehcher

Zack…da sprang die Tür auf wie einst die Helden vom A-Team. . Aber raus kamen bloß tote Viehcher

 

25.9 7.15uhr klingelte der Wecker. Das war die zweite Nacht in der Jurte und die eindeutig Bessere. Denn diese Nacht, konnten wir den Ofen mit Kohlen speisen und so hatten wir diesesmal keine Frostbeulen am Körper. In den Gäste Jurten, in welchen wir nächtigen dürfen, gibt es Betten und einen Ofen und das wars dann meistens auch schon. Die Jurten, in denen die Nomaden wohnen, sind natürlich etwas besser ausgestattet. Dort darf dann natürlich ein Altar plus Familienfotos nicht fehlen. Ja und wo sind nun die sanitären Anlagen, wird jetzt wahrscheinlich so manch einer denken. Manchmal gibt es zusammengezimmerte Toilettenhäuschen, welche mich sehr stark an die Plumpsklos der DDR erinnern, auch der Gestank, ist nicht weniger ekelhaft. Aber ich denke, dass diese Häuschen, natürlich nur für die Touris gebaut wurden. Ich habe dort nur ein einziges Mal hinein gelunzt und dann ersparte ich mir jeden zweiten Blick. Suche jetzt mal in einer Landschaft, ohne Bäume, ein nahezu „Stilles Örtchen“… . Als Kind, fand ich es spannend, z.b. zu Ostern einen Schokoladen Osterhasen zu suchen, aber jetzt in diesen Momenten, fand ich das Suchen, alles andere als angenehm. Komplett sparen hingegen, kann man sich natürlich das Suchen nach einer Dusche. Also wenn man ein zart besaiteter Mensch ist, und 5 Tage nicht auf eine Dusche verzichten kann, dann sollte man sich besser einen solchen Trip sparen. Die Nomaden lösen das Problem des Duschens, übrigens wenige Male im Monat, ( so genau hat dies unsere Tourguideelly nicht beschrieben) indem sie, in einen entfernten Ort fahren, wo es extra öffentliche Duschhäuser gibt.

Ich finde es sehr spannend zu sehen, wie die Nomaden, wirklich leben. Es ist schön zu sehen, dass es zu unser westlichen Welt, auch noch komplett andere Formen des Lebens gibt.

Am frühen Morgen, ging es dann nach Karakorum, zur „Ancient City of Mongolia“. Dort haben wir uns diese alte Stadt angesehen und konnten live bei einem buddhistischen Gottesdienst dabei sein.

Schön aber kalt war es an jenem Morgen

Schön aber kalt war es an jenem Morgen

... nun spring doch endlich an du dämliche kiste. ..

… nun spring doch endlich an du dämliche kiste. ..

Danach hieß es Abschied nehmen von unserem kleinen Chinesen. Er will nun weiter nach Moskau und von dort steigt er in den Flieger nach Lissabon, um dort sein Masterstudium anzutreten. Hau rein. Und so war ich nun das fünfte Rad am Hollandwagen. Aber die beiden sind zum Glück ganz umgänglich und wir scheinen auf einer Welle zu reiten. Von nun an, gings bergab. … (Textstelle von meiner Freundin Hildegard Knef:) )  Ne das nicht, aber die Offroad Rallye ging so richtig los. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass mich die Fahrt jetzt, irgendwie ans Bullriding erinnert.

..ist die Frontscheibe wirklich aus Glas

..ist die Frontscheibe wirklich aus Glas

Es ging durch ein Gelände, in welchem es vor langer langer Zeit, mal so richtig gebrodelt haben musste. Denn hier liegen die, aus wahrscheinlich mehreren Vulkanen, herausgespuckten Steine, noch genauso herum, wie zu jener Zeit. So fuhren wir im Zick Zack um die Gesteinsbrocken herum. Und nun stieg auch immer mehr mein Respekt vor der alten Russenkiste. Was die alles mitmacht. Echt toll, und so taufte ich die alte Kiste, nun zum Russenunimog. Einfach grandios, diese sich nun wandelnde Landschaft. Links zeigten sich die schneebedeckten Berge, mittig hoppelten wir im Russenunimog durchs Lavagelände, und rechts sahen wir Sanddünen, an uns vorbei rauschen. Wäre ich einer der Super Regisseure von Herr der Ringe, ich würde genau hier, den nächsten Teil drehen.

Ein Fluss, eine Seltenheit

Ein Fluss, eine Seltenheit

Die Hobbits würden sich hier auch wohl fühlen

Die Hobbits würden sich hier auch wohl fühlen

..und ich mich auch

..und ich mich auch

Herbst kann schon auch schön sein

Herbst kann schon auch schön sein

Einfach herrlich, abends gemeinsam am Ofen zu sitzen

Einfach herrlich, abends gemeinsam am Ofen zu sitzen

 

26.9  Bei 10 Grad unter Null,  wachten wir in unserer Jurte auf. Da hat man so richtig lust,  aus seinem, nur leicht wärmeren Nest zu steigen. Danach gab es lecker Flusswasserstutenmilchporridge zum Frühstück. So auf geht’s, posaunte unser Fahrer und so stiegen wir ein, in unseren Russenunimog und ließen uns querfeldein durchs Geröll chauffieren. Ein Wunder ist es wirklich, wie unser Pilot, den richtigen Weg zu erahnen erwähnt. Und in jenen Momenten, stellte ich mir öfters die Frage, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich auf eigene Achse, mit einem Mietwagen losgezogen wäre. Ich glaube, dass es bei weitem nicht so interessant geworden wäre, da ich auch ohne Straßenbeschilderung, keinerlei Orientierung gehabt hätte. So war ich nun froh auf der knüppelharten Rückbank zu sitzen und die Aussicht zu genießen. Nach ca. 3 stündiger Fahrt durch Mondlandschaften, kamen wir am Fuße eines Tempels an. Der Weg hinauf zu diesem, war ein schöner knapp 1 stündiger Fußmarsch durch den Wald auf eine Höhe von 2500m. Oben angekommen, belohnte uns der sensationelle Blick.

Einer der einzigartigen Momente

Einer der einzigartigen Momente

Irgendwie empfand ich diesen Ort,  als einen ganz besonderen. Auch wahrscheinlich deshalb, weil nur wir vier Menschenkinder, dort oben herum sprangen. Danach führte uns der Weg durch abwechslungsreiche Landschaften, direkt zu unserer letzten Übernachtung, an einem See.

Mal ein fröhlicher Zeitgenosse

Mal ein fröhlicher Zeitgenosse

 

27.9 Letzter Tag im Gelände. Wir machten uns auf zum Hustai Nationalpark, wo wir uns am Anblick wilder Pferde erfreuen durften.

Ok. 1 Pferd, aber wild

Ok. 1 Pferd, aber wild

Danach ging es zurück nach UB. Gegen 20 Uhr waren wir zurück in der Zivilisation. Und es war furchtbar, denn wir gerieten in einen Stau, in der abgrundtief hässlichen Vorstadt. Es ging einfach kein Schritt voran, aber keiner der Menschen, kam auf die Idee, mal seinen Motor abzustellen und so wurde uns echt übel von dem ekelerregenden Gestank. Zurück im Hostel, erhielt ich ein Upgrade meines Zimmers und hatte jetzt 2 Betten und 2 Fenster, mit viel besseren Ausblick.

Vorher

Vorher

Nachher

Nachher

Einmal volltanken Bitte, mit liebe

Einmal volltanken Bitte, mit liebe

Links im Bild, der kleine Holzkasten= Toilette

Links im Bild, der kleine Holzkasten= Toilette

.....

…..

Sieht man auch in der Prärie des öfteren herumkullern.. vodka

Sieht man auch in der Prärie des öfteren herumkullern.. vodka

Gute Nacht

Gute Nacht

 

28.9 Oh Schreck. . ich schiebe die Gardinen zur Seite, und was erblicken meine müden Augen: Schnee!! Oh je oh je . Und das ist das erste mal, auf all meinen Reisen, dass ich so unverhofft vom Winter überrumpelt werde. Ok, dann wird heute erstmal allgemeine Körperpflege betrieben..

29.9 Heute morgen zeigte das Thermometer erfreuliche  -13 Grad an. Echt verrückt, letzte Woche, bin ich noch in kurzer Hose herumgeturnt und jetzt steh ich auf einmal im tiefsten Winter. Und so machte ich mich, angezogen mit einem Pullover und einer Regenjacke zur chinesischen Botschaft, um mein Visum abzuholen. Den Rest des Tages hielt ich mich lieber in meinem Zimmer auf und widmete meine Zeit, dem Schreiben und lesen. Mein Glück war es, dass jemand, dass sehr spannende Buch von Dan Brown – Das verlorene Symbol, hinterlassen hat. ….  Dank Dan Brown verging die Zeit wie im Flug und so ist es schon der 1.10 und jetzt freu ich mich so richtig auf morgen, denn dann geht es mit der Eisenbahn nach Peking.

2 Kommentare

2 Gedanken zu „Mongolei 2

  1. Jörch

    Hi Hannes, super Reisebericht, na dann gute Weiterreise. Vg aus Amsterdam, Lurchi

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