Taiwan 4

Abends lag ich dann noch etwas länger wach im Bett und suchte im Internet nach einer Ortschaft, in welche ich als nächstes meine neugierigen Füße setzen könnte. Aber irgendwie konnte ich mich nicht recht entscheiden, klappte dann das Handy zu und wollte erst am kommenden Morgen eine Entscheidung treffen.

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Am Bahnhof .. und wieder war ich weit und breit der einzige Alien.. und wartete auf den Zug nach HuAlien

Knapp 2h später (11 Euro für 130 Kilometer) war ich dann dort. Und auch hier und noch immer regnete es. Direkt am Bahnhof gab es auch einige Hotels, aber ich wollte eines am Meer finden und stieg in einen Bus, welcher an der Küste entlang fahren sollte. Im Bus kam dann eine Frau auf mich zu, bot mit Hilfe an und wollte mich pünktlich darauf hinweisen, an welchem Stop ich denn aussteigen sollte.

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Auf der Suche nach einem Hostel, welches hier irgendwo sein müsste…

Aber ich fand keines und entschied mich zurück zu der Stelle zu laufen, an welcher ich aus dem Bus gestiegen bin und stellte mich auf die andere Straßenseite und wartete auf einen Bus zurück in die Stadt.

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Gut… hier muss ja auch irgendwann mal wieder ein Bus ankommen. .

Ich stand im Regen und wartete… Ein großer Lastwagen fuhr vorbei und spritzte etwas Wasser an meine kalten Beine. Etwas grimmig verfolgte ich mit meinem rechten Auge seinen dreckigen LKW und sah ca. 80 m entfernt auf der Brücke wie ein weißes Auto den Rückwärtsgang einlegte und auf mich zugerast kam. Der Fahrer des Lkws hupte laut und fuhr nur knapp am Auto vorbei. Wenige Sekunden später hielt der Fahrer des weißen Autos direkt vor meinen naßen Schuhen, ließ die Scheibe des Beifahrerfensters herunter und fragte ob ich Hilfe brauchen würde. Es roch nach Hund. Ich schilderte knapp dem Mann mittleren Alters, dass ich auf der Suche nach einem Hostel war und nun mit einem Bus zurück in die Stadt wollte. Auch er wusste nichts von einem Hostel in der Nähe und fragte ob er mich in die Stadt fahren dürfte. Aus seinem Auto kamen noch immer Wolken auf mich zu die stark nach Hund rochen. Dennoch stieg ich instinktiv einfach ein. Durch meine vielen Reisen, die ich inzwischen alleine bereist hatte, denke ich, so lustig es auch klingen mag, mir einen gewissen Instinkt angeeignet zu haben. Natürlich auch für gefährliche Situationen. Und auch dieses Mal hatte ich nicht lange nachgedacht und bin einfach ins Auto gestiegen. Dennoch war mir etwas mulmig dabei. Und auch immer wieder merke ich, dass ich in vielen Situationen sehr skeptisch bin. Berechtigt oder nicht?

Dazu später mehr…

( …. Mist…ich muss zum Zug… ich schreib heute Abend weiter….) Tschüß

Fortsetzung :

Nach nur wenigen Minuten erreichten wir das Stadtzentrum und schon bald erblickte ich das erstbeste Hotel. „Ok“, meinte ich zu dem Typen, „kannst ja gerne hier anhalten. Ich werd dort mal im Hotel nachfragen“. Dann bedankte ich mich für die Fahrt und wollte mich anschließend von ihm verabschieden, aber er bestand darauf mich noch zum Hotel zu begleiten. Eigentlich wäre ich wieder gerne alleine gewesen, aber so unhöflich wollte ich dann doch nicht sein und ihn einfach abwimmeln. Nachdem wir eine Parklücke gefunden hatten und der Wagen zur Ruhe kam, wurde mir zumindest schon mal eine Sache klar. Zwei Hunde, die bisher unbemerkt und versteckt im Kofferraum hockten, machten sich nun lautstark bemerkbar und wollten uns nach draußen begleiten. Sie durften nicht.  Das Hotel war viel zu teuer und auch eine weitere Unterkunft die wir anschließend zu Fuß erreichten, sprengte mein Budget. „No worries“ sagte ich zum Hundebesitzer, „ich werd schon was finden“ und war eigentlich der Meinung, dass er in diesem Augenblick bemerkt haben müsste, dass ich meine Suche alleine fortsetzen wollte. Aber er ließ nicht locker. Er wollte mir unbedingt helfen. Und wieder war ich mir nicht sicher und auch meine Skepsis ihm gegenüber wuchs. Aber warum eigentlich? Sind wir Deutschen etwa so? Liegt das in unserer Natur? Erstmal skeptisch zu sein wenn uns jemand einfach bloß helfen will? Will er mir wirklich auch einfach nur helfen oder erwartet er dann dafür irgendetwas? Der Regen wurde wieder etwas stärker und wir stellten uns schützend unter ein kleines Vordach vor einen Klamotten  Laden. Dort zückte er plötzlich sein Handy und wollte einen Freund anrufen. Dieser Freund hätte bestimmt ein Zimmer für mich. „Ach passt schon- ich werd schon was finden“, meinte ich zum wiederholten Male zu ihm, aber in diesem Moment plauderte er schon zackig in sein Telefon. In diesen Sekunden hatte ich erstmals etwas Zeit, mir den Mann etwas genauer unter meine beiden Lupen zu nehmen. Wie ein Verbrecher sah er nicht aus. Eher wie der nette Nachbar um die Ecke. Aber leider können doch auch die gefährlich werden, dachte ich. Er beendete sein Gespräch und meinte dann glücklich, eine Lösung für mich gefunden zu haben. Denn ich könnte bei seinem Freund in dessen Appartement übernachten. Anschließend nannte er mir zu meinen vielen aufkommenden  Fragen noch ein paar Details und ich ließ mich wieder darauf ein, in seine Hundehütte zu steigen. Nach ca. 15 min und etwas ab vom Schuss, in einer Wohngegend auf einem Hügel, erreichten wir das Appartement. Eine höfliche Haushälterin empfing uns freundlich an der Haustür und ließ uns eintreten. Direkt im Ergeschoß betraten wir einen sehr ordentlichen Wohnbereich mit Küche. Die gesamte Einrichtung schien schon mal auf den ersten Blick auch nicht gerade billig zu sein. Dann folgten wir der Dame ins Treppenhaus, denn im zweiten Stock sollte mein Zimmer sein. „Den unteren Wohnbereich dürfte ich aber ebenso nutzen“, erklärte mir der Hundefan. „Die Hausfrau sei aus Indonesien und spricht leider kein englisch“, betonte er auf der Treppe mit Nachdruck. Sekunden später standen wir in „meinem“ Zimmer mit Balkon und großem Bad. Beide schauten mich dann fragenden an und der Typ wollte wissen ob mir das Zimmer gefällt und ob ich mir denn vorstellen könnte hier zu übernachten. Aber auch in den letzten Minuten ist meine Skepsis dieser ganzen Angelegenheit gegenüber eher gewachsen, denn gesunken. Denn auch der Preis für eine Nacht war viel zu gering (statt 80 Euro die Nacht sollte ich nur etwa 24 Euro bezahlen). Warum liegt dem Typ denn soviel daran mir zu helfen? Da stimmt doch irgendetwas nicht. Und wegen dieser Gedanken meinte ich zu ihm, dass ich mich in dem großen Haus wohl etwas verloren und auch Einsam fühlen würde und auch die Entfernung zum Stadtzentrum sei mir zu weit. „Aber klar, ist echt ne tolle Wohnung“, dennoch würde ich mir gerne noch ein paar Unterkünfte in der Stadt ansehen“, sagte ich zu ihm. Wir gingen zurück ins Treppenhaus und als wir wieder im unteren Wohnbereich standen, wurde ich noch zum Tee eingeladen. „So viel Zeit muss sein“.  Die Haushälterin verschwand in der Küche und ich setzte nich zu dem Typen ins Sofa. Irgendwie kam mir die ganze Situation immer merkwürdiger vor. Und noch während ich am liebsten meine Gedanken in die Tat umgesetzt hätte und die Wohnung kurzer Hand verlassen wollte, ertönte aus einigen Lautsprechern Klassische Musik. Wahrscheinlich hab ich in meinem Leben schon zu viele schlechte Hollywood Filme gesehen, aber dieser Moment in der Wohnung wurde immer abstruser. Der Typ löcherte mich dann mit etlichen Fragen und in der Zwischenzeit servierte uns die grinsende Hausfrau unseren Tee. Wenige Minuten später hörte ich eine weitere Stimme, die plötzlich aus aus der Küche schallte. Glücklicherweise war es aber eine Frauenstimme. Die Frau kam dann auf mich zu, reichte mir freundlich die Hand und stellte sich vor. Sie! war also der Freund, mit dem der Hundehalter telefoniert hatte und auch Sie ist die Besitzerin des Hauses. Die Frau erschien mir als sehr angenehm und nahm zusätzlich auch etwas an meinen vielen Bedenken. Anscheinend wollte sie mich nur mal mit eigenen Augen sehen, denn nach kleinerem Smalltalk verschwand sie wieder durch den Hintereingang. Nach noch ein paar weiteren Fragen, die ich fleißig zu beantworten wusste und auch der Tee wärmend im Magen schwamm, verließen wir die Wohnung und verabschiedeten uns von der Haushälterin mit dem großen Gebiss. Draußen empfing uns wieder der Regen. Aber ich war irgendwie erleichtert wieder aus dem Haus zu sein. Eigentlich wollte der Typ mich nur in die Stadt und zu irgendeinem Hotel fahren, aber nachdem auch diese Unterkunft nicht die richtige war, ließ ich mich von ihm dazu überreden mich zum Essen einzuladen. Aber warum ließ ich mich denn schon wieder darauf ein?…. Vielleicht deshalb, da die ganze Sache mit der Wohnung nun immer mehr Gestalt für mich annahm und sein „Freund“ mal seine Freundin war und er mir durch ein paar meiner Fragen, die auch er diesesmal zu meiner Beruhigung und auch brav zu beantworten wusste, minimierte sich auch minütlich meine Skepsis ihm gegenüber.

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